Vom Jammertal, Paletten und Mehrweg

Vieles beschäftigt uns gerade, wobei uns das Warten auf Arbeitsmaterial von der Beschäftigung abhält. Sich Gedanken zu machen funktioniert aber immer.

Das Jammertal ist kein schöner Ort zum Wohnen. Trotzdem schlagen viele Menschen ausgerechnet hier ihr Lager auf. Argumente gibt es ja gerade genug. Es ist aber auch nicht Sinn der Sache, sie immer und immer wieder neu aufzuzählen.

Also, wie ist die Lage in der Bauwirtschaft? Noch im Februar zeigten die Statistiken nach oben, Optimismus und Hoffnung auf ein umsatzstarkes Jahr 2022 breiteten sich aus. Dann kamen die Schreckensmeldungen aus der Ukraine und alles war plötzlich anders. Nun heißt es, unserer Branche droht eine Rezession.

Die Gründe dafür seien nicht nur in der osteuropäischen Krisenregion zu suchen, sondern bereits vorher in China lokalisiert worden, wo nach Coronaausbrüchen die wichtigsten Häfen abgeschottet sind. Seitdem warten Industrie und Handwerk auf dringend benötigten Nachschub.

Bei den drei entweder direkt durch den Krieg oder mittelbar durch Sanktionen betroffenen Ländern stellt sich nach und nach heraus, welche wichtigen Rohstoffe nun nicht mehr importiert werden können. Neben Lebensmitteln stehen mit Stahl, Bitumen, Kunst- und Dämmstoffen sowie Holz wichtige Materialien auf der Liste, die auf den Baustellen fehlen oder mit enormen Preisaufschlägen anderweitig besorgt werden müssen.

Interessanterweise droht den deutschen Herstellern von Transportpaletten ein Produktionsstopp. Verantwortlich dafür ist das sanktionsbedingte Einfuhrverbot von russischen Stahlnägeln, wovon jede Europalette 78 Stück benötigt – neben elf Brettern und neun Klötzen. Nägel anderer Herkunft passen angeblich nicht in die Maschinen der automatisierten Fertigungsanlagen.

— An dieser Stelle legen wir eine Gedankenpause mit leichtem Kopfschütteln ein. Jetzt einmal tief ein- und wieder ausatmen. —

2021 produzierten die deutschen Unternehmen der Branche etwa 120 Millionen Paletten und in den Vorjahren vermutlich jeweils ähnlich viele. Da der Großteil der Holzgestelle mehrwegtauglich ist, stellt sich schon die Frage, wo sich die vielen Paletten ansammeln. Kann es sein, dass die meisten nach kurzem Gebrauch vernichtet oder zweckentfremdet werden?

Das Thema Paletten könnte doch Anlass für so manchen klugen Kopf sein, sich Gedanken über Mehrweg- und Recyclingkonzepte in der Holzwirtschaft zu machen. Schließlich droht uns in etlichen Bereichen eine zunehmende Knappheit, wobei Holz im Hausbau eine besonders große Bedeutung einnimmt. Das Gleiche trifft auf Stahl und Eisen zu.

Zurück zum Jammertal! Es ist nicht alles Gold, was glänzt. Diese Erkenntnis erfahren wir gerade schmerzhaft. Billiges Öl, billiges Gas, billiges Holz, billige Lebensmittel, Medikamente, Kleidung und auch Immobilien: Billiges was auch immer gehört wohl der Vergangenheit an. Darum ist es höchste Zeit, den Wert der Dinge zu erkennen und, anstatt diese einfach verrotten zu lassen, einer sinnvollen Wiederverwendung zuzuführen.

Was einfach nur herumliegt, obwohl es auch anders einsatzfähig wäre, erfüllt seinen Sinn nicht. Dies gilt für Rohstoffe, Waren und letztendlich auch für uns selbst. Geben Sie mir recht?

Foto: Gestapelte Europaletten, von Frank Vincentz – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0

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