Bauen, was sonst?

Wenn es nach den Schlagzeilen geht, haben wir als Menschen und besonders Deutsche vor allem eines: Angst! Angst vor Verlust und Armut, Angst vor Unfall und Krankheit, Angst vor dem drohenden Weltkrieg (ganz aktuell!), Angst vor Dürre und Hunger, vor dem Verlust der Freiheit und der Heimat, Angst vor fremden Menschen und Angst vor dem eigenen Altwerden und Sterben.

Angst ist einer der ältesten und treuesten Begleiter, die wir haben. Zwar unbeliebt, aber verlässlich! Auf unsere Ängste können wir uns stützen, oder, um im Thema zu bleiben: bauen.

Was all die aufgezählten Ängste vereint: Es ist die Angst vor einer ungewissen Zukunft.

Allerdings war die Zukunft schon immer ungewiss, auch wenn sie später als schöne Gegenwart empfunden und noch später als “gute alte Zeit” verklärt wurde. Trotzdem: Die Angst bleibt und verschiebt ihre Ziele einfach weiter – wie die Weltuntergangsvoraussagen bestimmter religiöser Gruppen.

Etwas verschieben ist auch so eine Sache. Unangenehmes verschieben wir sehr gerne, stimmt’s? Den Zahnarztbesuch, die Steuererklärung, Verzicht auf Ungesundes, ein ernstes Wort. Da wir hierbei anscheinend der großen Mehrheit angehören, ändern wir von uns aus auch Dringendes viel zu spät oder gar nicht. Lieber füttern wir weiter unsere Ängste.

Trotz allem sind viele dazu bereit, Ängste zu überwinden und etwas zu tun, auch wenn es unter den gegenwärtigen Rahmenbedingungen – Klimawandel, Krieg, Preisexplosion, Pandemien uvm. – alles andere als logisch erscheint. In den Urlaub fliegen etwa!

Ja, Urlaub! Hier versagt seltsamerweise häufig das Angstdiktat. Als ob im Urlaub alles anders wäre – Hauptsache weg von daheim! Zwei, drei Wochen heile Welt, abgeschirmt in der Blase zusammen mit Gleichgesinnten am Strand, in den Bergen, auf hoher See oder bei einer Flusskreuzfahrt. Herrlich, nicht?

All die Katastrophen machen Pause, sind sicherlich später auch noch da. Obwohl: Wird das Reisegefühl nicht gerade bereits vom Reich der Ängste erfasst? Touristen, die vergeblich einen gebuchten Flug erwischen wollen, weil das Bodenpersonal auf den Flughäfen fehlt. Gestrandet im fernen Urlaubsziel – war da nicht vor zwei Jahren etwas? Reisende, die keinen Platz mehr in übervollen Zügen finden, weil Zugfahren ja quasi nichts mehr kostet. Die Benzinpreise an den Tankstellen…

Da ist sie wieder, die Angst. Angst, sich keinen Urlaub mehr leisten zu können!

Was tun?

Wie wäre es damit, einfach einmal in die andere Zeitrichtung zu denken? Reisen wir gedanklich in die Vergangenheit – oder versetzen wir uns in unsere Vorfahren. Viele unserer Großeltern haben zwei Weltkriege überlebt und sicherlich noch andere kaum weniger schlimme Krisen überwunden. Welch ein Glück, sonst wären wir nicht auf der Welt!

Ja, wenn man bedenkt, was alles gut gelaufen sein muss, dass wir jetzt leben, dann sind wir doch alle Glückskinder, jeder und jede Einzelne(r). Oder nicht?

Selbst nach den größten Katastrophen, nach Erdbeben, Vulkanausbrüchen, Überschwemmungen oder eben auch Kriegen haben die Überlebenden immer wieder eins getan: angefangen, aufzubauen und das zumeist stabiler und schöner als zuvor. Das haben wir uns von der Natur abgeschaut, vielleicht steckt es auch in uns. Wenn nichts mehr bleibt, uns nichts mehr ablenkt, tun wir das Naheliegende: Bauen! Ohne Angst!

Wir tun das auch. Jeden Tag!

Foto: Schössling, von Elavarasi.v – CC BY-SA 4.0

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