In jeder Krise liegt eine Chance

In der vergangenen Woche ging eine Mitteilung des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie e.V. durch die Medien. Er befürchtet eine Abwärtsspirale der Baukonjunktur und folglich eine Wirtschaftskrise und fordert Anreize für Zukunftsinvestitionen, um eine Baukrise zu vermeiden.

Mit rund zwei Millionen Beschäftigten und einem Umsatz von jährlich 400 Milliarden Euro ist unser Bausektor wichtig für Deutschland, systemrelevant, wie es heißt. Bricht der Bausektor ein, folgen bald die anderen Branchen auch, so der Tenor. Was soll man dazu sagen?

Seit Anbeginn der Zeit besteht das Leben augenscheinlich aus Krisen. Es beginnt schon mit der Geburt und endet mit dem Tod – zwei radikale Einschnitte in unsere Lebensbedingungen!

In schwierigen Zeiten wie der aktuellen werden wir permanent daran erinnert. Anstatt uns dauernd darüber zu beklagen, was uns gerade plagt und wie katastrophal sich alles entwickelt, wäre es nicht klüger, Krisen als ganz normal und weniger als Bedrohung denn als Chance zu verstehen?

Wir Menschen sind halt so! Wir nehmen es als normal an, wenn alles gut läuft und die Zukunft rosarot aussieht, obwohl wir aus Erfahrung wissen, dass das nicht so bleibt, ganz wie der Kreislauf der Jahreszeiten.

Zugegeben: Seit Monaten oder, wer genauer hingehört hat, seit Jahren häufen sich die dunklen Wolken am Horizont, doch solange das Tosen noch nicht begonnen hatte, haben die meisten von uns nicht hingesehen und lieber die Prognosen ignoriert, bis sie nicht mehr zu übersehen waren, die Wolken. Dies betrifft jeden Einzelnen, aber auch die Institutionen, die Länder wie die dazugehörige Wirtschaft.

Aber wie das so ist: Jedes Ding hat zwei Seiten, jede Situation bringt Gewinner und Verlierer hervor. Für die, die auf der Verliererseite stehen, ist das nicht schön, doch jeder kann auch ein Stück mitentscheiden, auf welcher Seite er steht.

Man kann es auch so ausdrücken: Unsere Welt hat gerade viele Baustellen und viel zu wenige Leute, die sich fachmännisch darum kümmern. Wer, wenn nicht wir vom Bau kann das besser verstehen?

Unsere Baustellen, das sind zuallererst die Klimakrise – eine Dauerbaustelle, mit der wir wohl lernen müssen zu leben. Uns anpassen und die Folgen minimieren, lautet die Devise. Wir Fachleute vom Bau können und müssen dabei entscheidend mitwirken, nicht nur, wenn Extremwetter Schäden an Bauwerken hinterlassen.

Die zweite Krise auf der Liste erscheint den meisten von uns nach wie vor sinnlos und überflüssig: die Russland-Ukraine-Krise und diese stellvertretend für alle Kriege, Gewalt und menschengemachten Zerstörungen. Abseits vom Kriegsgeschehen spüren wir die Folgen auf allen Ebenen und nicht zuletzt in Form von Mangel und hohen Inflationsraten, getrieben von der Preisentwicklung an den Energie- und Rohstoffmärkten.

Auch hieraus ergeben sich Chancen nicht zuletzt für unsere Branche, einerseits mit erneuerbaren Energie- und neuen nachhaltigen Baukonzepten. Nicht zuletzt werden irgendwann die Kriege mit ihren Zerstörungen beendet sein. Dann folgt mit dem Wiederaufbau eine gigantische Aufgabe.

Nächste Krise: die Gesundheitskrise. Primär hierdurch kamen Lieferketten zum Stillstand. Seitdem steht der Rohstoffmarkt finanziell und zeitlich unter Druck. Auch hieraus entsteht das Ziel, sich etwa an alternativen Baustoffen mit besserer Umweltbilanz zu versuchen.

Dazu plagen uns noch weitere Krisen, die einen mehr, die anderen weniger: eine spürbar zutagetretende kollektive mentale Krise, gruppenspezifische Personal-, Sinn- und Glaubenskrisen und nicht zuletzt unzählige persönliche Krisen.

Böse Zungen behaupten, dass Pessimisten nichts anderes sind als Optimisten mit Erfahrung, doch im Grunde genommen ist es genauso andersherum. Wer seinen Fokus auf die positiven Umstände und Ereignisse richtet, wird ebenfalls fündig, vielleicht sogar unerwartet reichhaltig.

Und sollte es doch einmal ums nackte Überleben gehen, dann haben Baufachleute vergleichsweise gute Chancen, denn wer vier Wände und ein Dach aufstellen und anschließend die Baustelle aufräumen kann, findet sich – selbst ohne Strom – auch im größten Chaos zurecht. Das sollte speziell unserem Berufsstand ein gutes Gefühl geben.

Wir wünschen Ihnen eine besinnliche Advents- und Weihnachtszeit.

 

Foto: Historische Etruskermauer; von Reiner Flassig – CC BY-SA 2.0 de

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