Trockene Aussichten

Wie die Wolkenkratzer in Manhattan türmen sich gerade die Probleme auf, die globalen wie die regionalen, die hausgemachten wie die unausweichlichen. Auch in der Bauwirtschaft hat sich die Stimmung gedreht. Obwohl mehr denn je Wohnraum benötigt wird, gehen die Aufträge zurück und bestehende Zusagen werden storniert.

Die Gründe sind bekannt: Steigende Bauzinsen, Material- und Energiekosten, dazu Lieferverzögerungen und Zukunftsängste. Die Dürre der letzten Wochen hat uns gezeigt, an welche Probleme bisher die wenigsten gedacht haben. Beispiel Wasserknappheit: Nicht nur der Mensch, auch die Landwirtschaft braucht täglich Wasser, doch wo soll es herkommen? Wenn die letzten Gletscher der Alpen abgeschmolzen sind, drohen unseren Flüssen wie Donau und Rhein das gleiche Schicksal wie der Po in Norditalien.

Beispiel Energiegewinnung aus Biomasse: Womit soll die Energie erzeugt werden, wenn die benötigten Nutzpflanzen nicht wachsen? Beispiel Holz: Plötzlich sind Kaminöfen und damit Holz als Brennstoff wieder gefragt. Folglich steigen auch die Preise für Bauholz weiter.

Dass sich die Gaskrise bald in Wohlgefallen auflöst, glauben wohl die wenigsten. Russland hat sich als verlässlicher Partner auf absehbare Zeit disqualifiziert. Die Alternativen – Gas aus der Nordsee, aus Saudi-Arabien oder den USA – sind allerdings erheblich teurer. Weil Ersatzabnehmer fehlen, wird derweil das vormals billige russische Erdgas augenscheinlich abgefackelt, was die Erderwärmung zusätzlich antreibt.

Wenn wir uns vorstellen, dass sich die regenlosen Wochen mit Spitzentemperaturen von täglich über 30 Grad künftig Jahr für Jahr wiederholen, können wir absehen, welche Folgen dieser Wandel für unsere Heimat hat. Schon jetzt leidet ein Großteil der heimischen Bäume. Einige Arten werden schließlich ganz verschwinden. Was dies wiederum für die Holzpreise bedeutet, liegt auf der Hand.

Auch unsere heimische Fischwirtschaft muss sich darauf einstellen, dass das Wasser zu warm wird und dadurch Gewässer umkippen. Ganz unabhängig von den dann ausbleibenden Karpfen auf dem Teller dürften sich hitzegeplagte Menschen zunehmend fragen, ob dies noch die Heimat ist, in der sie leben wollen.

Wandel ist nichts Unnatürliches. Zu allen Zeiten gab es Klimaschwankungen, doch durch den menschengemachten Klimawandel erleben wir Veränderungen im Zeitraffer. So schnell können sich die wenigsten Lebewesen anpassen. Wenn Ökosysteme kollabieren, sind alle Beteiligten betroffen.

Wir haben nur diese eine Erde und müssen mit ihr auskommen. Wenn wir weiterhin gut auf ihr leben und glücklich sein wollen, müssen wir vieles ändern, auch und besonders die Art und Weise, wie wir wohnen.

Wir als Teil der Baubranche gehen den Weg unserer Bauherren mit, denn nicht bauen ist keine Alternative.

Foto: austrocknendes Flussbett, von Gemma Burgazzi – CC-BY 4.0

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